Dienstag, 19. Dezember 2006

Planungsfehler

Ich zähle nun stolze 26 Lenze, knapp 21 davon war ich für die Frauenwelt sowas wie ein Reifenfüllmessgerät. Sie wissen, dass es existiert, doch Sinn, Zweck und Handhabung verschließt sich Ihnen. Ok, vielleicht lag es auch an mir. Das Wort Outfit hätte man bei mir wohl damals um die Silbe "Out-of-fit" ergänzen müssen - "Datt passte nich!"
Nichts desto trotz hatte ich umso mehr den Sinn, Zweck und nicht zu vergessen die Handhabung des schönen Geschlechts für mich entdeckt. Und so versuchte ich mich an der lieben Julia S. - mit 18 knapp ein Jahr älter als ich, auf den langen Beinen ca. 1,78m groß, zauberhafte Stimme, wohlerzogen, reiches Elternhaus, blond, blauäugig! Dazu mitten im Abistress der Jahgangsstufe 13 und Mitglied meiner Theatertruppe. Zu dem Zeitpunkt teilten wir uns gerade die Hauptrollen und hatten so etwas mehr miteinander zu tun. Um meinen Annährungsversuch aber nicht ganz so plump anzustellen und meine Schwächen durch gekonnte Überraschungsmomente wettzumachen, glaubte ich, mir was einfallen lassen zu müssen. Also entschloss ich mich, sie nach einer unserer Proben um ein kleines Gespräch unter vier Augen zu bitten.

"Du Julia, Du hast doch Päda (zur Info: Kurzform für Pädagogik - klassischer Bestandteil des Hausfrauenabiturs) und willst doch anschließend Psychologie studieren? Kannst Du mir mal nen schlauen Rat geben - so als angehende Frau Doktor S.?" (Anm. d. Red.: Nein, sie hieß nicht Sommer!!!) Sie willigte ein und so begann ich zu erzählen. "Hm, also Frau Doktor S., ich hab da eine bezaubernde Frau kennengelernt und hab´ aber das Problem, dass ich nicht weiß, wie ich sie ansprechen soll. Ich würde sie ja gerne ins Kino, auf ein Eis oder sonstwas einladen, weiß aber nicht, wie. Was würden Sie da so empfehlen - gerade von Ihrem weiblichen Blickwinkel aus gesehen?"

Zunächst schien sie etwas verdutzt, dass ich mit solch einem delikaten Thema ausgerechnet zu ihr kam. Doch irgendwo fühlte sie sich dann wohl auch geschmeichelt -zack- Fisch an der Angel! Ich solle sie doch einfach direkt ansprechen und... "Nein, dass kann ich nicht, Frau Doktor S.! Dazu bin ich viel zu schüchtern..." fiel ich ihr ins Wort. Nächste Vorschläge waren ein Brief, jemand anderen vorzuschicken oder eine sms. Leider musste ich Frau Doktor S. dann klarmachen, dass ich damals weder ihre Telefonnummer, noch das wichtigste für eine sms besaß - ein Handy! Wie gesagt, sie war diejenige mit dem reichen Elternhaus...
Die Langform des Gesprächs dauerte wohl so ca. 10-15 Minuten und zum Abschluss kam sie, von mir unscheinbar gelenkt, wieder auf den ersten Vorschlag zurück - direkt fragen! "Tja, dann muss ich mich wohl in mein Schicksal fügen, Frau Doktor! Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihren Rat und die Unterstützung." So verabschiedete ich mich dann von "Frau Doktor S." - darauf sie so zu benennen habe ich die ganze Zeit geachtet. Mit einem Lächeln eines geheilten Todkranken auf den Lippen schlenderte ich an dem großen Grünstreifen im Innenhof unserer Schule vorbei - sie ging auf der gegenüberliegenden Seite in gleiche Richtung. Alles geplant! So trafen wir am Ende des überdimensionalen Blumenkübels wieder aufeinander - "Hi Julia!" grinste ich Ihr entgegen. "Sag mal, hast Du möglicherweise mal Lust auf Kino oder Eisessen?" Rumms - der saß! Wenn andere Leute manchmal schauen, wie ein Auto, dann guckte sie gerade wie ein A380.
"Äh, ja klar. Können wir gerne machen!" Hossa - veni, vidi, vici! Makku, Du bist der Größte!
Und so verabredeten wir uns auf ein kleines Eis am nächsten Spätnachmittag. Ich holte sie ab, brachte ihr noch eine CD mit, die sie gerne haben wollte, wir gingen Eis essen, quatschten munter drauf los, ich zahlte, ich fuhr sie heim. Im Auto vor ihrer Haustür passierte es dann. Nein, nicht das, was ich gewollt mir erträumt hatte, sondern: "Ähem, Du Makku!" - "Jahaa?"(Grinsen meinerseits) - "Ich glaube, ich hab da Mist gebaut und Dich irgendwie nicht richtig verstanden! In dem Gespräch gestern ging es da um mich? Falls ja, dann tut es mir Leid, ich hab das nicht sofort kapiert. Das ist mir irgendwie erst vorhin klar geworden. Du bist ja echt voll in Ordnung und ein guter Freund, aber..." Ab hier hab ich irgendwie nicht mehr ganz zugehört, sondern schlug ihr mir in Gedanken mit ´nem Reifenfüllmessgerät auf den Kopf!
Nunja, professionell wie ich nunmal bin, habe ich mit ihr das Theaterstück noch über die Bühne gebracht, aber das war´s dann auch.
War das wirklich so schwer zu verstehen? War diese Anmache zu ausgefuchst? War sie sonst nur Sprüche im Stile von " ´Tschuldigung, gnädige Frau! Ich glaube es gibt Krieg - mein Säbel juckt!" gewohnt?

Seither überlege ich nicht mehr soviel, sondern rede oftmals einfach drauflos. Planen ist was für Landschaftsgärtner!

Makku

...ich bin´s nur...

Lieber mal...


...ne ruhige Kugel schieben...

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