Meine Sicht der Dinge...
Es ist Dienstag, der Tag nach Montag, was ihn aber nicht sonderlich viel besser macht... Spätschicht ist mal wieder angesagt!
Dazu hab ich das Gefühl, dass heute die geballte Dummheit mehrmals auf meinem Telefon anruft, um im Stile eines deutschen Borat um Rat zu fragen. Das einzige, was mich gerade noch vor dem Kopfsprung aus dem Erdgeschoss bewahrt, ist die Aussicht auf einen gelungenen Abend!
Dank meiner immensen Arbeitsleistung und meiner schier unglaublichen Fähigkeiten mit Idioten Kollegen und Kunden umzugehen, bin ich befördert worden. Das Tolle daran: mehr Geld für ziemlich genau die gleiche Tätigkeit! Ich wußte, ich verkaufe mich unter Wert! Aber nun wird ja alles gut!
Zur Feier des Tages zog ich mit meinem alten Saufkumpan Freund und Kupferstecher SirParker los, um mich ordentlich abzudichten dem Ganzen einen gebührenden Rahmen zu verleihen. Auf zum Freudenpark, einer kleinen, rustikalen Bar hier in Nürnberg, die 1998 zur besten deutschen Bar gekührt und dessen Personal 2001 den FIZZZ-Award erhalten hat (bestes Barpersonal). Für die Besten halt nur das Beste!
21.oo Uhr: Startschuss! Das Büro wird fluchtartig verlassen und auf geht´s zu SirParker´s Wohnung. Kurzer Blick in den Spiegel: Jepp, "3-Wetter-Taft" läßt grüßen: alles sitzt!
Zu Fuss und mit je 3 Fläschchen Holsten ausgerüstet machten wir uns auf den Weg. Eigentlich hätte man die Strecke trotz mäßiger Druckbetankung gut in 30 Minuten schaffen können, aber SirParker irgendwer musste zwischendurch nochmal einen kleinen Zwischenstop einlegen.
Ich weiß nicht wer oder was ihn in diesem Etablissement zur abendlichen Stunde geritten hat, aber irgendwie wirkte Sir´s Vadder sein Sohn mächtig verklärt, ja gar verträumt. Er will unbedingt auf eine einsame Insel - inklusive was kühlem, blondem ...
Endlich am Freundenpark angekommen wird erstmal die Wegzehrung für die Rückreise kalt gestellt. Der kluge Mann baut bekanntlich vor.
Wir suchen wir uns eine gemütliche Sitzecke und bestaunen das reichhaltige Getränkeangebot. Sage und schreibe 96 Seiten umfasst das gebundene Büchlein der Karte. Aber, wie schon erwähnt: Den Besten eben nur das Beste!
Nach einigem Überlegen entscheide ich mich für einen Whiskey "Bowmore Mariner" Jahrgang 1989. Verdammt - so gut kann Whiskey sein! Kein Brennen, kein Kratzen - nur Genuss und Geschmack! Das Beste eben...
Stilecht noch eine Zigarre angezündet - man gönnt sich ja sonst nix! Was kostet die Welt...?!?
So entspannt ließ es sich leicht plaudern - über Frauen, das Bloggerdasein, neue Ideen, Frauen, die Arbeit, Frauen, die Anschaffung einer Kamera, Frauen, Zukunftsplanung... Zukunftsplanung? Verdammt - werden wir alt? Neee, nur umsichtiger und reifer!
Da irgendwann jeder Abend sich mal gen Ende neigt, verließen wir leicht schwankend gegen 1 Uhr die Lokalität. Nicht aber, ohne unseren wohl temperierten Proviant wieder einzusammeln. Da diese Wanderdose aber nur mit flüssigen Nährstoffen gefüllt war, hieß es zunächst auf zum goldenen M. Kaum dort angekommen wurden wir unglaublich freundlich empfangen. Tja - "Ehre, wem Ehre gebührt" sage ich da nur. Sogar die Getränkeauswahl wurde für uns erweitert. Das Freundlichkeit irgendwann auch in nerviges Belästigen umschlagen kann, durften wir dann aber am eigenen Leibe erfahren. Plötzlich tauchte hinter uns Ronald McDonald´s kleine uneheliche Tochter auf - Marke "Steif" (mit Knopf im Ohr). Das Sie uns nicht noch den Mund abputzen wollte war wohl alles. Dem Nikolaus uns seinem Rentierschlitten sei Dank, dass sie sich irgendwann wieder hinter ihren McDrive-Schalter klemmen musste!
Gestärkt ging es nun auf einen langen, wie sich noch herausstellen sollte, seeehr langen Heimweg. In weihnachtlicher Vorfreude wandelnd und von Weihnachtsgeschenken schwärmend stockte uns dann jedoch plötzlich der Atem: Was war hier zu lesen! Allmächd! Dagegen erging es Veronica Ferres ja noch richtig gut erwischt! Merke: traue niemals einem Esel - auch als Christkind nicht!
Nachdem ich den Sir an seiner Haustür abgeliefert hatte, musste ich mich alleine auf den weiteren Weg machen. Alleine? Nein, ich hatte ja noch Proviant dabei! "Und gehst des Nachts allein nach Haus, holst´en Holsten raus!" Prost! Vielleicht war dies aber auch ein kleiner Fehler. Alkohol regt wohl die Verdauung an. Und verdammt, nach gut weiteren 500m arbeitete meine Verdauung anscheinend auf Hochtouren. Kackreiz! Mir schien es, als drückte der gesammte Inhalt des Sees hinter dem Assuan-Staudamms von innen gegen meine Schließmuskeln. Hossa! Da hieß es dann aber ne "Düsseldorfer Rosette" machen (zusammenkneifen -> "Kölner" kommen nicht rein) und ab dafür Richtung heimatlichem Hochsitz. Lieber Nikolaus, was hätte ich für ein Taxi gegeben - oder für eine Toilette? Leider haben beide Dinge des Nachts in Nürnberg etwas gemeinsam: wenn man es braucht, ist keins davon da oder es ist schon besetzt!
Mit schnellen Schritten und einem Schließmuskelkrampf bog ich endlich in die vertraute Strasse ein - und direkt vor meiner Wohnung parkte ein Taxi! Drauf gesch... Ohnee, lieber nicht, sondern die letzten Treppen hoch zur Wohnung genommen und... welch ein Absch(l)uss für einen gelungenen Abend! Unbeschreiblich!
Somit mein Fazit: definitiv wiederholungswürdig (inkl. Beförderung versteht sich!). Aber das ist nur meine Sicht der Dinge. Seine Sicht der Dinge kann ja auch anders aussehen...






